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02/03/2012

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Englischer Konzern übernimmt Manroland Offenbach

Nach dem Stammwerk von Manroland in Augsburg ist jetzt auch das Werk in Offenbach gerettet: Medienberichten zufolge übernimmt der englische Maschinenbauunternehmer Tony Langley das Werk einschließlich der Hälfte der vormals 1760 Mitarbeiter und will schon dieses Jahr die Gewinnzone erreichen.
Der Insolvenzverwalter des Druckmaschinenherstellers, Werner Schneider, sagte, auch für das dritte Werk in Plauen sei schon ein Investor in Sicht. Mit dem Industriellen Langley habe Manroland "eine dauerhafte Perspektive für das Bogendruckgeschäft in Offenbach gefunden, so Schneider. Langley übernehme die Finanzierung allein, eine Bürgschaft des Landes Hessen sei nicht mehr nötig. Auch die IG Metall begrüßte den Einstieg. "Dies ist keine Lösung für alle, aber es ist die beste Lösung für Offenbach", sagte die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber.

Mit der Entscheidung für Langley wird die bisher verfolgte Idee obsolet, dass das Werk Offenbach zunächst von Managern übernommen wird; anschließend wollte Schneider auf Investorensuche gehen - etwa in China, wo Shanghai Electric eine Auge auf Teile des insolventen Unternehmens geworfen hatte. Der asiatische Maschinenbauer war bei der Suche nach einer Lösung nicht zum Zuge gekommen, weil Entscheidungen zu lange dauerten. Auch Manroland-Konkurrent Koenig & Bauer, der seinen Hut für den Standort Offenbach erneut in den Ring geworfen hatte, blieb chancenlos. Die Würzburger hatten Interesse an Filetstücken bekundet und dieses jüngst noch einmal bekräftigt.

Der Abbau von rund 2000 der 4700 Stellen in Deutschland im Rahmen der Insolvenz verschaffe den drei Manroland-Werken in Augsburg, Offenbach und Plauen einen massiven Kosten- und Wettbewerbsvorteil, erklärte Schneider. Die verkleinerten Unternehmen "starten in der richtigen Größe, wie's der Markt verlangt". Nach der Entscheidung für Possehl und Langley als Käufer für die Werke in Augsburg beziehungsweise Offenbach ist noch offen, wie es mit dem Standort Plauen weitergehen soll. Darüber werde mit beiden Firmen geredet, heißt es. Possehl hatte bereits in Aussicht gestellt, sich an dem Werk zu beteiligen.

Aus Manroland Augsburg wird Manroland Web Systems GmbH

Unterdessen haben der Insolvenzverwalter der Manroland AG i.I. und die L. Possehl & Co. mbH, Lübeck den Kaufvertrag über den Erwerb des Rollendruckmaschinengeschäfts am Standort in Augsburg unterschrieben. Damit sei der Fortbestand dieses Geschäftsfelds langfristig gesichert, heißt es in einer Pressemitteilung. Das von Possehl übernommene Geschäft wird demnach in der neu gegründeten "Manroland Web Systems GmbH" geführt. Die Geschäftsführung wird von Uwe Lüders, Vorstandsvorsitzender der Possehl Gruppe, zunächst selbst übernommen.

Unterstützt wird Uwe Lüders von einem fünfköpfigen Managementteam. Die Bereiche Service und Vertrieb werden von Peter Kuisle, langjähriger Vertriebsleiter, fortgeführt, ergänzt durch den Technikbereich unter Leitung von Dieter Betzmeier. Für den Geschäftsbereich Produktion und Beschaffung zeichnet Franz Gumpp verantwortlich, Unternehmensentwicklung und Personalwesen werden von Dr. Daniel Raffler geführt. Dirk Rauh leitet den kaufmännischen Bereich. Mit dieser Führungsmannschaft weist die neue Gesellschaft ein hohes Maß an Konstanz und Erfahrung sowie Innovation auf.

In der Manroland Web Systems GmbH finden rund 1.400 Mitarbeiter einen langfristigen und sicheren Arbeitsplatz. Damit ist es gelungen, mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze am Standort Augsburg zu erhalten. Zudem wird der Manroland-Standort in Plauen durch einen langfristigen Liefervertrag gestützt. Lüders zeigt sich nach vorn blickend optimistisch: "Wir verfügen über hervorragend ausgebildete Mitarbeiter, eine gute Marktstellung sowie hochmoderne und leistungsfähige Produkte. In Gesprächen mit vielen Kunden habe ich erfahren, dass wir auch zukünftig als verlässlicher Partner gebraucht werden." Ziel für die neue Gesellschaft, in der auch weiterhin das Neumaschinen- sowie das Service- und Ersatzteilgeschäft betrieben werden, ist ein Jahresumsatz in der Größenordnung von 300 Millionen Euro.

Rollenmaschinen aus Augsburg sorgen auch weiterhin – unter dem Dach des neuen Gesellschafters Possehl – für maßgeschneiderte Lösungen im Illustrationsrollenoffset sowie im Zeitungsdruck. "Auf der im Mai stattfindenden Drupa 2012 werden wir unsere Leistungs- und Innovationsfähigkeit als leistungsstarker Geschäftspartner beweisen", zeigt sich Vertriebschef Peter Kuisle selbstbewusst.

Das Amtsgericht Augsburg eröffnete unterdessen am Mittwoch das Insolvenzverfahren. Manroland war Ende November pleitegegangen, nachdem die Eigentümer Allianz Capital Partners und MAN den Geldhahn zugedreht hatten. Im Zuge der Zerschlagung fallen 2200 der insgesamt 4700 Stellen in Deutschland weg.